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Hochfest des hl. Josef 2020

Predigt zum Hochfest

 

 Einführung

 

In dieser beklemmenden Situation der Corona Pandemie können und dürfen wir nicht mehr zur Eucharstiefeier zusammenkommen. Es ist ein eigenartiges Gefühl in das menschenleere Gotteshaus zu schauen.

Not macht aber erfinderisch. So weiß ich, dass jetzt doch recht viele mit uns in der Propsteikirche verbunden sind – übers Internet. Es ist eine moderne Form der Teilnahme. Herzlich willkommen Ihnen allen, auch Euch, den Kindern und Jugendlichen, den Messdienern, die jetzt zuschauen und die wir vermissen! Besonders begrüßt seien ebenso alle in unseren Seniorenheimen. Wie ich hörte, will man – wenn technisch möglich – die hl. Messe auch übertragen.

Wenn man die hl. Eucharistie nun leider nicht persönlich empfangen kann, so rät eine jahrhundertealte Form zur geistigen Kommunion. Jeder ist eingeladen, sich innerlich mit unserem Herrn Jesus Christus zu verbinden, seine Gnade und Liebe, seine Kraft, seinen Trost und Segen zu empfangen.

Die Kirche feiert heute – wir sehen und hören es – ein Hochfest. Der hl. Josef ist der Bräutigam der Jungfrau Maria, der Jesus annahm wie ein eigenes Kind. Er gilt als Schutzpatron der arbeitenden Menschen, der Familien, ja der ganzen Kirche und der Sterbenden.

Erbitten wir an seinem Festtag von Gott Hilfe für diese schwierige Lage unserer Zeit und Welt. Möge der Herr uns Trost und Rat schenken, dazu sein liebendes Erbarmen und die Vergebung der Sünden.

  • Herr Jesus Christus, du Sohn des lebendigen: Herr, erbarme dich…
  • Du Kind der Jungfrau Maria: Christus, erbarme dich.
  • Du Erlöser aller Menschen: Herr, erbarme dich.

 

Hochfest des hl. Josef 2020 – Predigt

 

Krisen gab es immer wieder, lb. Schwestern und Brüder. Kleine, mittlere, große. Uns hat eine megagroße erwischt, kalt erwischt innerhalb weniger Wochen und Tage. Zunächst will man’s gar nicht recht glauben. Dann ist man ratlos. Machtlos aber nicht! Was ist zu tun?
Heute, am 19. März, schauen wir auf einen Mann, der in seinem Leben mehrere Megakrisen erlebt hat. Es ging schon gut los. Mit Maria verlobt, voller Vorfreude auf die Hochzeit, zeigt sich, dass sie schwanger ist – und nicht von ihm. Durch das Wirken des Heiligen Geistes. Unbegreiflich! Er kann sie entlassen, dann droht ihr die Steinigung. Doch er braust wohl nicht auf, bleibt ruhig. Da vernimmt er eine Erklärung von Gott und beschließt Maria zu heiraten und auch das Kind anzunehmen. Ja. ein feiner Kerl! Krise überstanden.

Da naht schon die zweite. Zu Fuß geht’s mit der Hochschwangeren zur Volkszählung. 150 km. Die Geburt naht. Kein Quartier. Ein alter Stall muss genügen. Josef nimmt auch diese Situation an, das Unausweichliche, und macht das Beste daraus. Fremde, Hirten und Weisen, deuten Großes, Heiliges an. Er kann es wohl kaum begreifen.

Bei der Darstellung im Tempel prophezeit man dann auch noch seiner Frau und damit auch ihm Bitteres, ein Schwert werde durch deine Seele dringen. Und das schneller als gedacht, die nächste Krise.

Der König trachtet dem Kind nach dem Leben. Auch jetzt behält er einen kühlen Kopf und wieder kommt ihm Gott zu Hilfe, ermutigt ihn nach Ägypten zu flüchten. Eine Katastrophe für Menschen mit neugeborenen Kindern, wie wir sie auch heute leider tagtäglich in den Medien sehen. Die drei überleben und kehren später, als die Lage sich gebessert hat, nach Hause zurück. Krise überstanden.

Doch da naht noch eine: bei einer Großwallfahrt bleibt der zwölfjährige Jesus einfach in Jerusalem zurück. In der riesigen Menge fällt das erst gar nicht auf. Dann aber geraten die Eltern in große Not. Teenager vermisst! Die Suchaktion hat Erfolg. Der Wiedergefundene sagt es knallhart: „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ Also, mein Vater ist ein anderer. Auch hier behält Josef die Nerven und begleitet Jesus weiter auf seinem Lebensweg. Krise überstanden.

Liebe Mitchristen, können wir etwas von diesem Josef lernen? O ja!

Er ist scheinbar ein stiller Mann. Kein Wort ist in der Bibel aus seinem Mund überliefert. Er macht keine flotten Sprüche, drischt keine Phrasen, plaudert nicht einfach drauf los, aber er tut in Krisen das Richtige.

Er ist verlässlich, steht zu seinem Wort, bleibt treu, verliert nicht die Nerven, ist ruhig und gelassen, reagiert besonnen.

Nicht allein auf die eigenen Gedanken und Überlegungen verlässt er sich, sondern bleibt offen auf Gott hin, lässt sich vom ihm führen und beraten.

Mutig geht er seinen Weg, flüchtet sogar, bleibt aber wohl optimistisch, denn er weiß: Gott geht alle Wege mit, er wird uns nicht verlassen.

Liebe Gemeinde!

Wir wollen wie Josef damals – in unserer Krise heute – auch das Richtige tun. Nun werden Sie sagen: Er hatte es einfach. Gott sprach durch einen Engel zu ihm im Traum. Wir können Gottes Stimme nicht hören. Ob und wie das gehen könnte, ist noch mal ein eigenes Thema. Ich denke aber schon, dass Gott sich auch heute noch mittelt. Tut er es vielleicht durch Menschen, die Überblick und Ahnung haben, sich ihrer Verantwortung stellen und es gut meinen?

Josef musste nach Ägypten fliehen, weil es um Leben und Tod ging. --- Uns wird nun geraten, auch zu ‚fliehen‘, uns zurückziehen in die eigenen vier Wände, in unsere Häuser und Wohnungen. Das ist und wird erst noch echt schwer, weil wir lieber in unserem prallen Leben der Wohlstands- und Spaßgesellschaft, der Reiseweltmeister, bleiben wollen.

Aber das geht nun nicht mehr – und immerhin: wir haben eine Wohnung und was für eine. Nehmen wir die Ratschläge der Verantwortlichen und Fachleute ernst und an, denn auch jetzt geht es um Leben und Tod.

Vielleicht werden in dieser Krise auch unsere wichtigsten und engsten Verbindungen in den Familien wieder mehr geschätzt und gestärkt. Vor allem dürfen wir nicht die Alleinstehenden und Einsamen, die Älteren und Kranken, die niemanden haben, vergessen. Nachbarschaftshilfe ist gefragt und Beistand durch unsere siebzehn Gemeinden. Wer Hilfe braucht oder schenken möchte, darf sich gern melden. Wie schon gestern ausgeführt, hilft bereits jedes gute Wort, geschrieben, gemailt – wie auch immer. Bleiben wir einander behilflich, verbunden – auch im Gebet. 

Und vergessen wir das Teilen nicht. Sicher soll jeder einen gewissen Vorrat anlegen. Hamstern jedoch ist Egoismus pur. Und der ist nie gut. Schauen wir– bei aller berechtigten eigenen Sorge – auch immer über den Tellerrand hinaus zu allen, denen es noch viel schlechter geht – in unserem Land oder weltweit. Ein aktuelles Beispiel: Die Misereor-Kollekte kann in diesem Jahr nicht eingesammelt werden. Es ist aber möglich, eine Spende zu überweisen oder im Briefumschlag abzugeben. Danke für alle Solidarität!

Liebe Schwestern und Brüder!

Es heißt im Evangelium, dass Josef ein Gerechter war, ein Mann, der mit Gott rechnete.

Heute wird Gutes, Wegweisendes, Lebensnotwendiges gesagt. Allerdings scheint mir ein wichtiger Aspekt ganz ausgeblendet zu sein, oder viel zu kurz zu kommen: Das „mit Gott rechnen“, sich auf ihn verlassen, auf seine Hilfe vertrauen.

Es wurde mir einmal von einem Chefarzt berichtet, der vor jeder schweren Operation in die Krankenhauskapelle ging, betete und beim Marienbild eine Kerze entzündete.

Heute scheint es mir, dass die meisten meinen, wenn wir jetzt alles beachten und tun, dann wird das schon werden, dann behalten wir alles im Griff.

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir es nicht allein schaffen können, dass wir Gottes Hilfe brauchen und erbitten müssen.

Josef hat mit Gottes Hilfe das äußerst Schwierige angenommen und seine Krisen gemeistert. Behalten wir – wie er – die Zuversicht, den Mut, die Besonnenheit und das Gottvertrauen.

Der Tagesheilige steht uns in der Propsteikirche vor Augen in den Darstellungen hier im rechten Seitenschiff, im jetzt geschlossenen Altarretabel und in den Rosenkranzfenstern im Chorraum. Wir danken ihm für sein Vorbild und rufen: Hl. Josef, bitte auch heute für uns bei Gott im Himmel. Amen.

 

Fürbitten am Hochfest des hl. Josef 2020

 

Am Hochfest des hl. Josef wollen wir unsere Bitten vor Gott bringen:

 

  • Sieh auf die große Not dieser Tage, schenke Geborgenheit und Zuversicht, ermutige zu Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft.

Alle: Wir bitten dich, erhöre uns.

  • Lass die Erkrankten Heilung finden, richte sie und auch ihre besorgten Angehörigen auf. 
  • Befreie uns aus aller Angst und lass jene Hilfe finden, die sich sorgen um ihre wirtschaftlich Existenz.
  • Vergilt den Verantwortlichen in Politik und Krisenstäben, im medizinischen und pflegerischen Bereich und allen, die uns mit dem Lebensnotwendigen versorgen, ihren treuen Dienst.
  • Schenke den Wissenschaftlern und Forschern schnell Erfolg in ihrer Suche nach Therapien und Impfstoffen.
  • Segne alle Familien und beschütze besonders unsere Kinder und Jugendlichen.
  • Stärke alle Frauen und Männer, die sich als allein-erziehende Mütter und Väter um ihre Kinder sorgen.
  • Begleite alle, die ihre Heimat verlassen mussten und auf der Flucht sind, und lass sie Menschen finden, die ihnen ein neues Zuhause ermöglichen.
  • Behüte alle Älteren und Kranken und behüte die Sterbenden.
  • Tröste diejenigen, die um einen Verstorbenen trauern und lass alle Toten bei dir glücklich sein.

 

Höre – auf die Fürsprache des hl. Josef – unsere Bitten, guter Gott, durch Christus unseren Bruder und Herrn.